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Nachgefragt: Warum eigentlich kein Minarett?

Minarett in Weilburg? Hier ein besonders altes bei der Festung Belgorod-Dnjestrowskij, Foto: Helga Ewert / pixelio.de

Minarett in Weilburg? Hier ein besonders altes bei der Festung Belgorod-Dnjestrowskij, Foto: Helga Ewert / pixelio.de

Guten Tag, Weilburg! (3.1.2011, MK) Gerüchte, so lese ich, besagen, die Moslems aus Weilburg und Umgebung könnten an der Backstania nicht nur eine neue Moschee in einem 35 Jahre alten Bürogebäude planen. Nein, diese Moschee solle, hört man, auch ein Minarett bekommen. Ach Gottchen, wie entsetzlich, wenn da was dran wäre!

Aber was wäre daran eigentlich so schlimm? Warum um Gottes willen sollen die WeilburgerInnen islamischen Glaubens nicht ein Minarett an ihrer Moschee haben? Was spricht dagegen, nüchtern betrachtet?

In Mainz zum Beispiel lebt der Mann, den ich liebe, direkt neben einer Kirche. Die hat auch einen Turm – und mehr noch, wenn da die Glocken läuten, ist erst mal Sendepause für jedwedes andere Geräusch, und mein Hund bekommt jedes Mal die Krise, weil seine zarten Ohren dadurch noch viel mehr gequält werden als meine. Diese geballte Attacke auf alle umliegenden Trommelfelle dauert jedesmal gefühlte Stunden. Aber regt sich irgendjemand darüber auf? Ich habe noch keinen getroffen. Es gehört nun mal dazu, sagen die Nachbarn. Auch die islamischen, von denen es dort eine Menge gibt. Und zucken die Schultern.

Und auch ich stamme immerhin aus einer Familie mit (unter anderem preußischem) Migrationshintergrund. Einer unser Altvorderen, der Alte Fritz, hat seinerzeit schon gesagt, jeder solle nach seiner Fasson selig werden. Und unter anderem den religiös verfolgten Hugenotten Tür und Tor geöffnet. Sollten sie doch beten, wie sie wollten, Hauptsache sie zahlten brav ihre Steuern und brachten das Land voran. Mit dieser Einstellung hatte er Erfolg, die Hugenotten haben viel beigetragen zum Aufschwung der Wirtschaft, wo immer sie auftauchten. Das kann man übrigens über die Menschen mit türkischem Hintergrund durchaus auch sagen, wenn man sich die Mühe macht, genauer hinzuschauen.

Hans-Peter Schick, unser bisheriger und sehr wahrscheinlich auch künftiger Bürgermeister, ist da offenbar ebenfalls eher pragmatisch. Erst mal müssten, meint er, die Bauherren ein Minarett überhaupt wollen. Wollen sie das? Und zweitens muss ein solcher Bau dann die Stadtverordnetenversammlung passieren. Aber die dürfte, füge ich hinzu, kaum Gründe finden, die in dieser Umgebung gegen ein Minarett sprechen würden.

Sie unterstützt Bemühungen des interkulturellen Dialogs, lässt die FWG im Weiteren beschwichtigend verlauten. Und das tue sie im Gegensatz zur islamischen Gemeinde. Irrtum! Die islamische Gemeinde ist in Gestalt des SPD-Stadtverordneten Mustafa Yüce von Anfang an aktiv am interkulturellen Dialog in Weilburg beteiligt, soweit damit der noch junge so genannte Integrations-Gesprächskreis gemeint ist. Von der FWG war dagegen bisher nur ein einziges Mal etwa eine halbe Stunde lang ein Vertreter bei einem Treffen anwesend – übrigens im Städtepartnerschafts-Laden, wo Herr Yüce der Gastgeber war. Dieser Vertreter hat die Arbeit der Anwesenden kritisiert, ist dann wieder gegangen und seitdem nicht wieder aufgetaucht.

Die Religionsfreiheit ist ein wichtiger Bestandteil unserer deutschen “Leitkultur”. Damit hat nicht nur jede denkbare Richtung der hierzulande christlichen Mehrheit, sondern auch jede nicht-christliche Minderheit das Recht, ihre Religion ungehindert auszuüben - auch die Moslems. Wenn Lars Zimmermann appelliert, der richtige Weg für ein gedeihliches Miteinander liege allein in der konstruktiven Mitarbeit der islamischen Gemeinde an den Angeboten, die wir machen, dann ist das sehr bedenklich. Es ist natürlich schön, wenn die islamischen WeilburgerInnen sich noch mehr beteiligen. Aber Dialog bedeutet ja nicht nur, dass wir die Melodie vorgeben und alle anderen großmütig die Chance erhalten, in unserem Chor mitsingen zu dürfen.

Andere Menschen haben auch schöne Lieder. Und ich freue mich auf weitere spannende Gespräche, Diskussionen und gemeinsame Ziele im neuen Jahr. Mit allen, auch mit der islamischen Gemeinde und der FWG – und ebenso mit Hans-Peter Schick, der diesen Prozess übrigens von Anfang an aktiv fördert.

Marlies Knoke

Beitrag von an Dienstag, 4. Januar 2011, 15:27:04. Gespeichert unter Foto-Galerie,Nachgefragt,Weilburg. Sie können alle Kommentare zu diesem Beitrag verfolgen RSS 2.0. Sie können einen Kommentar oder eine Verlinkung hinterlassen

3 Antworten auf Nachgefragt: Warum eigentlich kein Minarett?

  1. Lars Zimmermann

    Dienstag, 4. Januar 2011, 20:12:10 an 20:12

    Scheinbar ist eine Meinungsäußerung nicht von jedem gewollt, wenn diese unzutreffend als Kritik bezeichnet wird.
    Ferner hatte es einen Grund zu gehen, den der FWG-Vertreter auch nannte.
    Anschließend gab es nur einen weiteren Termin, zu dem er sich entschuldigte.
    Das ist schlechter Stil von Ihnen Frau Knoke.
    Herr Schäfer macht bessere Arbeit. Von Ihnen kommt immer der gleiche linke Einheitsbrei.
    Sehen Sie mal den Realitäten ins Auge.
    Wie wäre es mit eine Entschuldigung oder können Sie es sich leisten kritische oder allgemein Meinungsäußerungen, die nicht Ihrer Ideologie entsprechen, derart zu verdrehen und nieder zu machen oder einfach nur zu löschen?

  2. Mustafa Yüce

    Dienstag, 4. Januar 2011, 21:30:02 an 21:30

    Freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut und gilt geschützt zu werden, sofern es nicht Menschen verletzt. Eine einstudierte Entrüstungswelle entdecke ich allerdings schnell bei Ihnen, Herr Zimmermann.

    Ihre Meinung akzeptiere ich, nun gilt es aber auch andere zu akzeptieren. Auch ein Hans Jürgen Irmer schoss schnell über das Ziel hinaus. Was sind denn die tatsächlichen Realitäten? Frau Knoke schrieb hier ihre Sicht der Dinge und nun diffamieren Sie sie. Wahlkampf sollte man durchaus betreiben, muss es allerdings auf unterstem Niveau geschehen?

  3. Lars Zimmermann

    Dienstag, 4. Januar 2011, 21:41:36 an 21:41

    Anhand welcher Passagen erkennen Sie denn unterstes Niveau?
    Nennen Sie doch mal die Passagen.
    Wir wollen nur wissen, was los ist und dass nichts an städtischen Gremien vorbei läuft. Nicht mehr nicht weniger.
    Hinzu kommen Fakten.

    Man will uns nur in eine Ecke stellen, weil wir Legitimes wollen.
    Unterstes Niveau erkenne wer uns böses will, ich erkenne dies also nun wirklich nicht!

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