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20. April – ein ganz besonderer Tag

Entenfüttern im Düsseldorfer Hofgarten, eine meine frühesten Kindheitserinnerungen, Foto: WIKIMEDIA, Diane Krauss, lizensiert unter GNU 1.2, Lizenztext im Impressum

Entenfüttern im Düsseldorfer Hofgarten, eine meine frühesten Kindheitserinnerungen, Foto: WIKIMEDIA, Diane Krauss, lizensiert unter GNU 1.2, Lizenztext im Impressum

Guten Tag, Weilburg! (20.04.2011, KS) Nein, ich muss Sie enttäuschen. Wenn Sie zu den ewig Gestrigen zählen und an den 20. April 1889 denken, dann sind Sie hier falsch. Der Autor dieser Zeilen outet sich jetzt nicht als einer von denen, die den 20. April als Geburtstag des Mannes aus Braunau am Inn, der die Welt in einen furchtbaren Krieg geführt und Millionen von Menschen nur deshalb umgebracht hat, weil sie nicht in sein Weltbild passten, jubelnd feiern.

Trotzdem habe ich mein Leben lang diesen 20. April alljährlich  gefeiert. In diesem Jahr zum ersten Mal in 54 Jahren nicht. Am 20. April 1925 wurde mein Vater geboren, heute würden wir seinen 86. Geburtstag feiern. Wenn er nicht im Februar gestorben wäre.

Ich muss zugeben, das Verhältnis zu meinem Vater war nicht das allerbeste. Als typischen Norddeutschen fiel ihm Nähe, auch zu seiner Familie, sehr schwer. Und seine Sparsamkeit hätte jedem Schwaben oder Schotten zur Ehre gereicht.

Heute, wenige Wochen nach seinem Tod, ist er bei mir präsenter, als jemals zuvor. Ich denke an das Entenfüttern im Düsseldorfer Hofgarten, eine Tradition, die er mit seinen Enkeln und Urenkeln bis vor kurzem noch gepflegt hat. Ich denke auch an das Ostereiersammeln, gerade eben, als ich die Einladung aus Drommershausen veröffentlicht habe. Das hat bei uns im Grafenberger Wald in Düsseldorf stattgefunden und war ein Riesenhappening, um es mal “Neuhochdeutsch” auszudrücken.

Ich denke aber auch an seine Erzählungen. Daran, dass er im Dunkeln von meinem Großvater losgeschickt wurde diejenigen zu warnen, die von der Gestapo am nächsten Tag verhaftet werden sollten. An den Brief, den er nach dem 20. Juli 1944 von Bord eines Kriegsschiffes nach Hause schrieb, in dem er sich erleichtert zeigte, dass es nach dem Stauffenberg-Attentat  nicht zu einer Revolution bei der Kriegsmarine kam. Und wie er, aus britischer Kriegsgefangenschaft zurück, gleich am nächsten Tag bei den Alliierten antreten musste, um in den Konzentrationslagern rund um Papenburg, in den sogenannten Emslandlagern, die hastig verscharrten Leichen auszugraben. Das war seine Verknüpfung mit der schrecklichen, nationalsozialistischen Zeit.

Ich glaube, das hat meinen Vater entscheidend geprägt. Er war strammer Demokrat, bis zum Schluss CDU-Wähler, engagierte sich im Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat. Aber niemals in einer Partei.

Die Gespräche mit ihm an den Wahlabenden, wenn er die Wahlergebnisse der Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen kommentierte, werden mir fehlen. Die Erzählungen aus seinem Leben werden mir fehlen.

Ich wünschen allen, die heute Geburtstag haben, auch im übertragenen Sinne, einen sonnigen Geburtstag. Und allen anderen ein schönes, sonniges Osterfest.

Herzlichst, Ihr Karl-Josef Schäfer

Beitrag von an Mittwoch, 20. April 2011, 07:07:39. Gespeichert unter Foto-Galerie,Kolumne,Neues. Sie können alle Kommentare zu diesem Beitrag verfolgen RSS 2.0. Sie können einen Kommentar oder eine Verlinkung hinterlassen

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