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Guten Tag, Weilburg! (23.06.2011, KS) Gut Ding will Weile haben – das sagten sich wohl auch die Initiatoren der Weilburger Tafel und brauchten eineinhalb Jahre lang Sitzungen über Sitzungen, um schließlich an den Start gehen zu können. Am 21. Juni fand denn nun doch die Gründungsveranstaltung in der Freien Evangelischen Kirche im mit 60 Personen voll besetzten Saal statt. Reges Interesse also an der Tafel, die zukünftig sozial schwache Mitbürger nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit einem Beratungsnetzwerk und einer Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen soll.
Mit Versammlungsleiter Jan Kramer hatten die Iniatoren einen kompetenten Mann ans Rednerpult gestellt, der nach der Begrüßung durch Dekan Ulrich Reichard das Heft in die Hand nahm. Aber auch Kramer konnte aus den trockenen Formalien der Satzungsgenehmigung und der Vorstandswahlen keine spannende Veranstaltung machen. Und so verließen die ersten Interessenten schon nach nur 30 Minuten den Raum, allerdings nicht, ohne vorher ihren Mitgliedsantrag abgegeben zu haben.
Nach der Genehmigung der Satzung wurde ein geschäftsführender Vorstand gewählt, an dessen Spitze sich Leonard Wieczoreck aus Ahausen befindet. Der 58jährige Wieczoreck war als Gastronom unter anderem auf Sylt tätig und lebt heute in dem Weilburger Stadtteil. Zu seiner Stellvertreterin wählte die Versammlung Brigitte Gruber, VDK-Vorstand im Kreisverband Oberlahn. Schriftführer wurde der Sozialpädagoge Ernst Pöhm und das ungeliebte Amt der Kassiererin übernahm Margritta Beithan.
Als BeisitzerInnen wählten die Gründungsmitglieder Susanne Artner-Stehr, die sich als Juristin überwiegend mit straffällig gewordenen Jugendlichen beschäftigt, Karl Harms, Elvira Jastrow, Hermann Kunz und Wolfgang Winter. Wolfgang Winter gehört zu den Betroffenen, zu denjenigen, für die eine Weilburger Tafel gegründet wird und weiss deshalb ganz genau, was es bedeutet, zu den sozial Schwachen zu zählen.
Schließlich wählten die Gründungsmitglieder noch Wolfgang Günther und Ulrich Reichard zu Kassenprüfern.
Nun kann das Tagesgeschäft beginnen. Geplant ist zunächst, ein zentrales Ladenlokal anzumieten und ein Fahrzeug anzuschaffen. Die Möglichkeit, zum Beispiel den Einzelhandelsladen in Odersbach zu übernehmen, wurde gleich wieder verworfen. Zu weit von der Innenstadt entfernt, für viele nur durch mehrmaliges Umsteigen erreichbar. Außerdem, so war in Gesprächen zu hören, entspricht die Präsenz in einem Stadtteil nicht der Intention der Weilburger Tafel. Ein Betreten und Verlassen der Lebensmittelausgabe wäre nur unter reger Anteilnahme der Bevölkerung möglich. So ist zur Zeit auch die ehemalige Eisdiele in der Vorstadt, gleich am Landtor, im Gespräch. Dort ist genügend Platz, es besteht die Möglichkeit, eine Art Vorraum einzurichten und eine Bushaltestelle der City-Busse befindet sich gleich gegenüber.
Die kurzzeitig aufgeworfene Idee, als Fahrzeug einen 7,5-Tonner anzuschaffen, wird hoffentlich schnell wieder begraben. Nicht nur, dass der Personenkreis, der heute noch so ein Fahrzeug fahren darf, erheblich eingeschränkt ist. Außerdem erscheint ein 7,5-Tonner auf den ersten Blick auch reichlich überdimensioniert. Immerhin sprechen wir von der Weilburger Tafel und nicht von Wetzlar oder Limburg.
Es geht also endlich los. Darüber freut sich auch Wolfgang Günther, erfolgreicher Unternehmer mit Wohnsitz in Weilburg. Ihm ging es bisher viel zu langsam und er sagte in einem Gespräch am Rande: “So etwas kann sich kein Unternehmer leisten!” Günther freut sich darauf, endlich loslegen zu können.
Die Weilburger Tafel finanziert ihre Tätigkeit ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Der Monatsbeitrag beträgt für Einzelpersonen nur 2 Euro, für Institutionen und Unternehmen 10 Euro. Ein Betrag, den sich jeder leisten kann. Weitere Informationen, einen Mitgliedsantrag und die Bankverbindung erhalten Sie vorläufig vom Pressesprecher Raimund Kolberg unter der eMail-Adresse RuHKolberg (ädd) gmx.de.
P.S. Um der Ausgewogenheit Platz zu verschaffen: Auffallend war, dass zwar die Weilburger Politprominenz der SPD in Person des 1. Stadtrates Bruno Götz und Stadtverordnetenvorsteher Walther Frank, genau wie FWG-Stadtrat Matthias Knaust und Stadtverordneter Jürgen Deuster von den Grünen anwesend waren, von der Weilburger CDU- und der FDP-Spitze sich aber niemand blicken liess. Gleiches gilt für die bekannten Gesichter der katholischen Kirche – aber das hatte, wie Ulrich Reichard in seiner Begrüßung ansprach, wohl “konfessionelle Gründe”.
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