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Siehst du den Hut dort…?

Wilhelm Tell alias Ekkehart Voigt beim LindenCult. Fotos: MK

Wilhelm Tell alias Ekkehart Voigt beim LindenCult. Fotos: MK

Guten Tag, Weilburg! (23.4.2012/MK) Es gibt verborgene Schätze in und um Weilburg. Engagierte Menschen und Gruppen, die sich verdient machen um kulturelle Vielfalt in unserer direkten Umgebung. Einer davon ist Ekkehart Voigt, der direkt um die Ecke in Edelsberg wohnt und seine ganz spezielle Art Theater zu spielen kultiviert. Zwei andere sind Uli Eisel und seine Frau Doris Happ, die auf dem Lindenhof in Weilburg-Hasselbach nun schon seit 2006 kulturelle Events unter dem Label „LindenCult“ veranstalten.

Und diese beiden Parteien kamen am Wochenende konstruktiv zusammen und boten auf dem Lindenhof im Rahmen der Reihe LindenCult einen Theaterabend der besonderen Art.

Ein-Mann-Theater

Voigt nämlich hat sich Schiller vorgenommen und bearbeitet. Er hat dessen klassischem Wilhelm Tell eine Rahmenhandlung verpasst und spielt alle Rollen von dem flüchtigen Konrad Baumgarten, den Tell rettet, über den Fährmann, der diese Rettung verweigert, Tells Frau Hedwig und seinen kleinen Sohn Walter bis zu den Landsknechten und den bösen Landvogt Gessler selbst.

Das minimalistische Bühnenbild ist eine Herausforderung an die Phantasie des Publikums:  Ein Stück blauer Stoff beispielsweise markiert den Vierwaldstädter See und zwei umgekippte Stühle den Nachen, mit dem übergesetzt werden soll. Voigts Schauspielkunst macht es den Zuschauern aber leicht, auch die kleinsten Andeutungen im Geiste zu vervollständigen, auch als ein Geschirrtuch für den Haushalt der Tellsgattin Hedwig steht und der Darsteller seine verschiedenen Rollen durch die unterschiedlichen Kopfbedeckungen signalisiert. Kein Problem. So schlüpft er behände in jede Rolle und wird auch sofort damit identifiziert.

Das Publikum spielt ein bisschen mit

Die ganze Geschichte wird aus der Perspektive es kleinen Klaus erzählt, der in unserer Jetztzeit in Weimar wohnt und dem sein Vater, der große Klaus, die ganze Tell-Saga als Gutenachtgeschichte erzählt. Und manchmal steigt Vogt auch aus dieser Rolle aus und teilt den einen oder anderen kleinen aktuellen Seitenhieb aus. Was aber keine Irritationen, sondern höchstens Gelächter beim Publikum auslöst. Das er im Übrigen als Komparsen aktiv in die Handlung einbezieht, beispielsweise wenn es im Chor ans Schwören des Rütli-Schwurs geht oder er empörte Altdorfer Bürger braucht, die sich mit empörten Rufen vor den angegriffenen Tell stellen.

Ekkehart Voigt hat das ganze Stück mit allen Rollen und deutlich unterscheidbaren Charakteren in 75 Minuten an einem Stück mit viel Charisma und Überzeugungskraft gespielt. Ohne Pause. Der Applaus wollte schließlich kaum enden, was ihn, so sagte er, schier in Verlegenheit brachte. Und gleich anschließend reiste er ab nach Köln, wo er mit dem Stück gastiert und anschließend in ganz Deutschland mit seinem umgebauten Rotkreuzbus auf Tournee geht. Hals- und Beinbruch, Ekki. Und das nimm bitte nicht wörtlich!

Beitrag von an Montag, 23. April 2012, 21:04:12. Gespeichert unter Foto-Galerie,Neues,Theater,Weilburg. Sie können alle Kommentare zu diesem Beitrag verfolgen RSS 2.0. Sie können einen Kommentar oder eine Verlinkung hinterlassen

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