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Renata von Ferrara – 11. Juli

Renata von Ferrara, oder, wie sie auch genannt wird, Renee de France, Foto: WIKIMEDIA, gemeinfrei, in einem Portrait von Jean Clouet aus dem Jahr 1520

Renata von Ferrara, oder, wie sie auch genannt wird, Renee de France, Foto: WIKIMEDIA, gemeinfrei, in einem Portrait von Jean Clouet aus dem Jahr 1520

Guten Tag, Weilburg! (DL) Heute gedenken die evangelischen  Christen einer Förderin der Reformation, der Herzogin Renata von Ferrara (1510-1575), die der Machtpolitik katholischer Fürsten und der Inquisition zum Trotz sich für reformatorische Ideale und für verfolgte Hugenotten einsetzte.- Ein Leben zwischen den Fronten!

Es ist selbst für Fachleute der katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirchen gar nicht so einfach, sich mit den vielen Heiligen und Gedenktagen auszukennen. Die Weilburger Nachrichten helfen dabei und veröffentlichen regelmäßig kurze Porträts der Verehrten im Heiligenkalender.

Renée de France, wie sie ursprünglich hieß, wurde 1510 in Blois / Frankreich als Tochter des französischen Königs Ludwig XII. geboren. 1528 heiratete sie Herkules von Este, den Herzog von Ferrara / Italien. Genau während ihrer Hochzeitsfeierlichkeiten in Paris wurden 80 Hugenotten als Ketzer verbrannt. Das muss die sehr human empfindende Prinzessin regelrecht schockiert haben.

Am Hof in Ferrara, wo man den Wissenschaften gegenüber sehr aufgeschlossen war, empfing Renata unter verschiedenen hochgebildeten Zeitgenossen auch Freunde der Reformation. 1536 besuchte Johannes Calvin (1509-1564) die Herzogin und blieb einige Tage bei ihr. Die gemeinsamen Glaubensgespräche begründeten eine lebenslange Freundschaft zwischen beiden. Bis zum Tod Calvins standen sie in Briefwechsel miteinander. Calvin hoffte mit Recht, dass Renata die Ausbreitung der Reformation unterstützen werde und gab ihr in seinen Briefen Ratschläge für ihr Vorgehen, munterte sie auf und tröstete sie. Herzog Herkules war wenig erbaut von dem Austausch seiner Frau mit Männern des neuen Bekenntnisses und versuchte ihn vergeblich zu verhindern. Im Jahr 1540 sperrte er sie im Schlossturm ein und ließ ihre „ketzerischen“ Bücher verbrennen. Auch eine längere Haft in einem Kloster musste Renata ertragen. Sie kam schließlich frei, weil der französische Gesandte am Hof von Ferrara bei Papst Paul III. eine Urkunde (Breve) für Renata erwirkte, die sie unter den Schutz des Papstes stellte.

Die Herzogin blieb den reformatorischen Ideen weiterhin verbunden. Es nützte auch nichts, dass Ignatius von Loyola seine besten Theologen nach Ferrara schickte, um Renata wieder ganz für den katholischen Glauben zu gewinnen. Sie bekannte sich nur  immer offener zu den Idealen Calvins und half den Reformatoren in Ferrara, wo sie konnte. Nach dem Tod ihres Mannes 1559 wurde sie vor die Alternative gestellt, den katholischen Gottesdienst mitzufeiern oder Ferrara zu verlassen. Renata kehrt daraufhin nach Frankreich auf ihre Güter in Montargis zurück.

Obwohl sie den calvinistischen Pastor François Morel in der Gemeinde von Montargis engagiert, ist sie doch mit seinen drastischen Methoden nicht einverstanden. Sie verbietet ihm, die Katholiken aus Montargis zu vertreiben, den Papst in seinen Predigten zu beleidigen, die Bilder in den Kirchen zu zerstören und katholische Geschäfte  plündern zu lassen. Sie will die Reformation in ihrem Gebiet ohne Gewalt einführen und außerdem ihre königlichen Verwandten, besonders die französische Regentin Katharina von Medici, nicht vor den Kopf stoßen. Im Grunde wählte sie einen Standpunkt über den Konfessionen.

Mit Calvin streitet sie brieflich über die Methoden, wie die Reformatoren vorgehen sollen. Während Calvin der Auffassung ist, David sei für sie das Vorbild, er habe in seinen Psalmen vertreten, man solle seine Feinde hassen, besteht Renata darauf, dass Christus das Vorbild sein müsse, der gelehrt habe, die Feinde zu lieben. Calvin räumt nun ein, dass die Kirche der Reformation für Liebe und Vergebung einstehe und sich daher um Versöhnung mit ihren Feinden bemühen müsse.

1561 nimmt sie an dem Religionsgespräch von Poissy teil, das Katharina von Medici (1519-1589) einberufen hat, damit katholische und reformierte Theologen eine mögliche Angleichung ihrer Glaubenssätze erarbeiten sollen. Die Verhandlungen finden in Gegenwart der königlichen Familie statt. Renata setzt sich in Poissy lebhaft für den Frieden zwischen den Konfessionen ein.

Unter dem neuen Herzog von Ferrara, Alfonso II., dem Sohn Renatas, wird in Ferrara inzwischen die Reformation vollständig rückgängig gemacht. 1562 zieht Alfonso sogar nach Montargis und belagert seine Mutter, um sie zur Rückkehr zum katholischen Glauben zu zwingen, aber umsonst. 1564 wird Renata  von der Inquisiation verklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie kann aber ihre Freiheit mit dem päpstlichen Breve, das sie besitzt, retten.

In den Religionskriegen der folgende Jahre und besonders nach der so genannten Bartholomäusnacht 1572, in der Katharina von Medici Tausende von Hugenotten in Paris umbringen lässt, nimmt Renata viele Flüchtlinge bei sich auf und rettet ihnen so das Leben. Sie stirbt am 12. Juli 1575. Ihr Gedenktag wird in der evangelischen Kirche am 11. Juli begangen.

Renata von Ferrara steht mit ihrem Eintreten für die Reformation neben anderen Frauen des französischen Hochadels, wie z.B. Marguerite d’Angoulême und Marguerite de France, die ebenfalls mit Calvins Vorstellungen sympathisierten und mit ihm in Kontakt standen. Sie wirkten mäßigend auf den Radikalismus der protestantischen Geistlichen ein und  trugen auf diese Weise dazu bei, dass die Reformation in Frankreich ein humanes Gesicht bekam.

Beitrag von an Mittwoch, 11. Juli 2012, 15:03:19. Gespeichert unter Foto-Galerie,Heiligenkalender,Neues. Sie können alle Kommentare zu diesem Beitrag verfolgen RSS 2.0. Sie können einen Kommentar oder eine Verlinkung hinterlassen

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